Die Leere, das ist der Weg

Und der Weg ist die Leere,

Die Leere hat Gutes nichts Böses.

Es gibt Weisheit, Verstand und den Weg,

und es gibt die Leere.

Musashi       (1584-1645)

Vervollkommne deinen Charakter. Sei wie das Wasser. Mache deinen Geist leer. Alles schöne Worte, man hört sie heut immer öfter im Sprachgebrauch. Vorrangig in Breichen welche sich mit asiatischer Kultur beschäftigen. Vor Jahren waren sie meist nur im asiatischem Sprachgebrauch anzutreffen. Um was geht es in diesen Hinweisen? Sie werden einem Lernendem beim beschreiten eines Weges immer wieder vor Augen gehalten. Das Hauptthema von diesem Weg, ist nicht das Ziel auf irgendeine Art und Weise zu erreichen, sondern durch Beschreiten des "Weges" zu lernen. Der Weg, zum Ziel ist vorrangiger als das Ziel selbst. Dieser Weg wird im asiatischen auf verschiedene Weise übersetzt. Jedes Land hat eigene Definitionen, doch die Bedeutung ist bei allen etwa gleich. Im Japanischen mit „Do“ übersetzt, beinhaltet „Tao“ im Chinesischen schon ein Hauptelement Namens „Chi“. Dieses „Chi“ teilt das Universum in Licht und Schatten, heiß und kalt, hart und weich. All diese Gegensätze fassten sie zusammen in den beiden Begriffen Yin und Yang.

Zu „Do“ wird manchmal auch Lehre gesagt, ein fortschreitender Prozess welcher zu einem Ziel führt, das wiederum verschiedene Ziele beinhalten kann. Des einen Ziel, ist es kämpfen zu können, des anderen die Erleuchtung. Die Länge des Weges, ergibt sich aus der Art und Weise ihn zu beschreiten. Die Wege zum Ziel sind sich ähnlich, egal was man für eine Kunst ausübt. Die Aufgabe der Lehre, oder das beschreiten des „Do“ liegt darin, jemanden etwas bewusst zumachen oder ihn auf etwas hinzudeuten, was eigentlich in jedem vorhanden ist. Ein Geheimnis, das der Meister dem Schüler übergeben könnte, gibt es in diesem Sinne nicht. „Do“ zu lehren ist leicht. Zu hören oder sehen auch. Schwer aber, diesem „Do“ bewusst zu werden,  ihn zu erkennen, verstehen und sich ihn anzunehmen. Wer ihn angenommen hat, wird lernen, durch ihn in sein eigenes Wesen schauen. Es ist ein Weg der „Selbst-Wahr-Nehmung“. Jeder hat einen „Do“ in sich, nur findet man durch Ablenkung und Zerstreutheit keinen Zugang zu diesem. Es gibt nun verschiedene Wege diesem „Do“ zu begegnen. Manch einer übt sich in den verschiedensten Praktiken, doch wenn einem etwas Unerahntes, Ungewohntes begegnet, so verfehlt dieser oft das Ziel. Egal ob im z.B. Tee-Weg oder in anderen Wegen.

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Am Anfang steht man vor einer Sache, welchen Ausmaßes man sich nicht bewusst ist. In der Kampfkunst lernt man verschiedene Prinzipien, um sich in ein System von Bewegungen, Koordination, Balance, Kraft, Beweglichkeit und mehr, ein zu finden. Die Bewegungen erscheinen einem fremd und ungelenk. Vieles ist für den Körper nur unter Anstrengung und Schmerz nachvollziehbar. Nach einer gewissen Zeit, reagiert der Körper mit Anpassungs- erscheinungen. Er bildet seinen Muskelapparat stabiler aus, passt Sehnen und Bänder der gesteigerten Belastung an. Die Gelenke werden verstärkt, die Beweglichkeit wird verbessert und die Koordination der verschiedenen Muskelgruppen wird ökonomischer. Man macht Fortschritte in allen Bereichen von Übungen und Aufgaben sie zu beherrschen. Die Bewegungen werden immer vertrauter.

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In einer weiteren Stufe beginnt ein Prozess, in dem man mit dem Erlernten auf äußere Ereignisse reagieren lernt. Man ist der Pol, von dem aus der Beginn einer Handlung erfolgt, man reagiert immer besser mit antrainierten Bewegungsabläufen. In verschiedenen Wegen lernt man z.B. wie man schlägt, stößt, tritt oder eine Abwehr ausführt. Die Schläge werden schneller, Stöße härter, mehr Kraft wird eingesetzt. Tritte, durch bessere Beweglichkeit höher und kräftiger, die Abwehr pariert kommenden Techniken. Die ersten Kata werden erlernt. Entstanden vor vielen Jahrhunderten, dienten sie der Kräftigung und Überlieferung von Bewegungs- und Geistigen Systemen. In der Kata, welche teils auf  sehr alte Traditionen zurückgreifen, sind Übungsformen für höhere Stufen enthalten. Durch üben mit Partner werden Bewegung und Gegenbewegung einstudiert und gefestigt. Das Prinzip der Ursache und Wirkung übernimmt immer mehr Einfluss. Es werden viele Techniken geübt. Man lernt, wenn man dies oder das macht, dann kommt dies und jenes dabei heraus. Die Geschicklichkeit verbessert sich zunehmend, die Bewegungen werden automatisiert und weiter perfektioniert.

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Ein neues Prinzip hat sich eingestellt. Man beherrscht die Bewegungen perfekt, ein nachdenken tritt immer mehr in den Hintergrund. Die Bewegungen werden automatisch durch Signale gestartet, sie erfolgen ohne eigene Überlegung. Die Schläge sind nicht nur das Anbringen einer Technik, sondern man ist sich bei jeder Technik über die Ausführung im klaren und setzt sie in Taten um. Der Körper bewegt sich in Harmonie mit dem Angreifer. Bewegung folgt auf Bewegung, auf Anfangsbewegung folgt Gegenbewegung. Techniken erfolgen rein durch Erkennen und analysieren der Situation. Das Bewusstsein ist gleichsam frei und bereit Bewegungen zu beginnen wie zu beenden. Der Körper reagiert auf Signale, in der entsprechenden Weise mit perfekter Bewegung. Hier trennen sich dann viele "Do"s. Während die einen durch Kraft, jugentliche Beweglichkeit und intensiveren Training Fortschritte erlangen, beginnt bei anderen die Losgelöstheit von den Bewegungen. Es entstehen Bewegungen, welche nicht mehr auf rein körperlicher Kraft beruhen. Sie minimieren sich immer mehr auf innere Bewegungen und Empfindungen, durch die sie starten. Bewegungen werden schneller, weniger kontrollierbar und effektiver. Anfangs lang, werden sie kürzer und lösen sich schließlich vom eigenen Körper, dringen in sichere Bereiche ein und haften dort, wie die des jenigen selbst. Ihre Wirkung entfalten sie wann immer sie wollen, eine Kraftlinie ist nicht mehr erkennbar, die Zeit scheint still zu stehen, während sich die Welt weiterbewegt. Weiterführend bestehen die Bewegungen mehr aus Energie, von einem sich bewegendem Energiepool aus gestartet, nicht mehr von Angriff oder Verteidigung zu unterscheiden. Sie werden frei vom Wille und bewegen sich ohne zutun.

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Während dieser Zeit befindet man sich schon lange in der höchsten Stufe der Bewegungen. Zum körperlichem Training, nimmt der Aspekt der Charakterformung immer mehr zu. Es treten verstärkter Regeln in den Vordergrund, welche das Verhalten im Dojo (Übungsraum) und außerhalb dessen vorschreiben. Vom Adepten werden nun Aufgaben verlangt, wie: „Vervollkommne deinen Charakter“, „Bewahre den Weg der Aufrichtigkeit“, „Entfalte den Geist der Bemühung“, „Sei höflich“, „Bewahre dich vor übertriebener Leidenschaft.“ Das Training bezieht sich nun nicht mehr ausschließlich auf das Ausführen von Bewegungen, man begeht in sich einen anderen, neuen Weg. Das Ende des „Do“ scheint nun bald erreicht. Unbemerkt bilden sich Selbstwertgefühl, innerliche Stärke, Kraft, Mut, Explosivität, Dynamik, Entscheidungsfähigkeit und vieles mehr. Keiner scheint sich ihm widersetzen zu können. Die Meisterschaft liegt nahe. Die Aufgabe von „Do“ geht hier nun weiter, die charakterlichen Eigenschaften durch einen langjährigen Prozess zu festigen, mit Lebenserfahrung füllen und weitere Stufen zu lehren. Darin liegt zum einen, die Leichtigkeit dem „Do“ zu folgen, andererseits auch die Unfähigkeit ihn erkennen und zu folgen zu können. Allein die Unfähigkeit im Erkennen, gibt Grund dafür, „Do“ in einem Stadium zu verlassen, welches lange nicht das Ziel bedeutet. Im „Do“ ist ein weiteres Lernen nur durch fortwährende Übung in ihm möglich. Eine Geschwindigkeit existiert nicht, das weitere Vorwärts kommen, hängt von einem selbst ab. Es spielt nun keine Rolle, ob Pinsel, Teebesen, Schwert, Blume oder ein anderer Gegenstand in den Händen gehalten wird. Ein den Weg beschreitender, dient auch nun für andere als Schablone, Anschauungsobjekt, Leitfaden, Motivation und vieles mehr. Völlig gleich auf welcher Stufe er sich befindet. Für den Lernenden erzeugt er gleichzeitig Resignation, Unentschlossenheit, Unverständnis, Zweifel und Selbstaufgabe. Wobei letzteres, zu den am leichtesten zu erzielenden Effekten zählt, den „Do“ erreichen kann. Worin man sich bisher geübt hat, ist eben nichts als reine Technik, reine physische Kunst. Doch nur auf Signale reagieren, engt das „Selbst“ ein, oft bis zur Bewegungsunfähigkeit. Was ja nicht das Ziel aller Bemühungen sein sollte. Hierzu schließt sich folglich ein lernen von nicht mehr sichtbaren und oft nicht immer verbal erklärbaren Dingen an.

 

1Die Psyche ist ein ganz anderer Teil vom „Do“. Der Geist ist oft noch mit der Frage: „Wie gewinnen?“ behaftet. Somit haftet man noch am "Ich" (Ziel) dessen, für das die Handlung bestimmt ist. Unter Aufbietung von Klugheit und vollendeter, bis zur Erschöpfung trainierter Technik, sieht man sich in einem Zustand des Wettbewerbes wieder. Es entstehen Gegensätze, welche eine Identifizierung zu einer der beiden Seiten verlangen. Diese Gegensätze erwarten Entscheidungen über Konsequenzen, welche im Umfang nicht vorhersehbar oder überschaubar sind. Diese Entscheidungen werden durch den jeweiligen Stand der beherrschten Technik stark beeinflusst. Keine Technik = Niederlage, gute Technik = Ungewissheit, exzellente Technik = Sieg. Eine gute Technik ist also von Vorteil? Was aber wenn man auf ebenfalls exzellente Technik trifft. Technik oder "Ich", wer von beiden hat mehr Einfluss? Die gesamte Übung wird trotz erreichter Meisterschaft nicht ausreichen, sich zu behaupten und einem solchem Gegner zu widerstehen. Zwar ist die Technik eine Funktion von Körper und Geist, nicht jedoch des "Ich`s". Sie basiert auch nicht auf einer höheren Stufe des „Do“, sondern allein auf Geschicklichkeit, hartem Training und- oder Talent. In diesem Zustand wird sie zum Ansatz von Schwachheit, das "Ich" erstarkt dabei und führt das Errungene zum eigenem Stillstand.

 shu / erlernen durch geduldsames Üben

 2Wenn „alte“ Meister Technik lehrten, so taten sie dies, um damit eine Art und Weise des „Do“ zu zeigen. Ihre Technik war einfach, beinhaltete jedoch die höchste Wahrheit. Es galt sie zu erkennen und verstehen. Wer nur auf Technik bedacht ist, sieht auch nur Technik. Wer sich mit Energie befasst, wird sie fühlen lernen und wird auch immer mehr Energie sehen können. Die innere Energie wird viel mit „Ki“ oder „Chi“ bezeichnet. Es handelt sich um das Erleben einer fühlbaren, erfahrbaren Lebensenergie, die nach einem bestimmten Muster durch den Körper fließt. Diese Energie wurde früher von praxisorientierten chinesischen Weisen entdeckt. Sie steht jedem Menschen in jeder Altersstufe zur Verfügung, der sich die Mühe macht, sich in ihrer Wahrnehmung und Anwendung zu üben. Ki und Atmung stehen dabei in einem engem Verhältnis. Das Ki unterliegt einem natürlichem Kreislauf, es kann genauso wie äußere Bewegung trainiert und später gelenkt werden. Die Stärke des Ki hängt davon ab, wie man es trainiert und benutzt. Ki strahlt von einem Körper aus, man kann Ki sammeln, aufhalten, fließen lassen oder lenken. Durch gerichtetes lenken von Ki, kann die Energie zum Schutz des Körpers benutzt werden. Man erweckt den Eindruck von einem stahlharten Körper. Dieser schützt, durch innere Energie und äußere Technik als eine gesamte Einheit den Körper. Somit kommt es auf den Zustand vom Geist an, wie sich Technik und Ki entfalten können, um eine Aktion so effektiv wie möglich werden zu lassen. In einem selbst entsteht eine Kraft, welche wie man so schön sagt, den Himmel und Erde erfüllt. Was man gewonnen hat, ist am Ende jedoch nur eine psychische Kraft, die die physische unterstützt. Allein schon die Tatsache, dass man sich der  Kraft, mit der man siegen will, bewusst ist, wirkt widerum dem eigentlichem Sieg entgegen. Was dann, wenn des anderen psychische und physische Kraft gleich stark wie die eigene ist. Wenn man sich dem Gegner mit seinen beiden Kräften entgegenstellt, so stellt er die seinigen entgegen.  

ha / Auseinandersetzen und Befreiung vom System, trennen von äußerer Form 

3Wie aber soll man sich dann verhalten, wenn man mit dem eigenem Potential nicht siegen kann? Das Ki welches man als große Kraft in sich fühlt, ist demnach nicht die entscheidende Kraft. Sie ist nur ein Abbild von einem selbst. Der Geist und der Körper gewinnen ihre Kraft nur unter bestimmten Bedingungen. Es entsteht hierbei eine Kraft welche vorhersehbar und transparent wird. Sie ist dadurch lenk- und angreifbar, für jeden der sie erkennen und lenken gelernt hat. Die Kraft und die Energie von einem in die Enge getriebenen, ist z. B. so groß, das selbst starke Kämpfer daran scheitern können. Ein Kämpfer, in einer solchen Lage vergisst sich selbst, und ist dadurch frei vom bewusstem Handeln. Darum ist sein Wille und Körper wie Stahl. Die Geisteskraft welche man diesem entgegensetzt, hat nur dann Erfolg wenn sie noch gewaltiger währe. Auch die psychische Kraft hat, so stark sie auch sein mag, in sich wieder eine Erscheinungsform welche sichtbar nach außen dringt. Was somit eine Form annehmen kann, ist fassbar für jeden der die Form erkennt. Für jeden der sie nicht erkennt, endet hier sofort die Entscheidung über Sieg oder Niederlage. Es gibt auch die Möglichkeit des Gleichstandes. Physische sowie psychische Kraft kann dann nicht mehr gesteigert werden, es entsteht somit ein Gleichgewicht aus zwei sich nicht verletzbaren "starken" Gegnern. Eine Art Waffenruhe, gefolgt durch ein im Kampf nicht handeln können, entsteht. Beide sind sich ihrer Technik und geistiger Kraft bewusst, darin eingezwängt aber, behindern sie sich selbst. Untätigkeit erfüllt die Zeit und führt zur Unmöglichkeit sich aus dem Stillstand zu befreien. Ein beidseitiges Unterwerfen, der gegenseitigen Kraft führt dann oft zur Nutzlosigkeit des gesamten Wissens, über Technik und innere Kraft. Ein Gegner, der angreifen will, mag noch so stark sein, er findet nichts, worauf er sich stürzen kann, alles ist gleich stark wie seine eigenen Aktivitäten. Es entsteht eine Art der Waffenruhe, der Kampf minimiert sich lediglich auf eine Tuchfühlung, welcher jegliche Kampfaktion fehlt. Das gegenseitige Einvernehmen des Nichtkampfes ist wie eine stille Versöhnung. Ein Rücktritt dem anderen gegenüber, von beiden Seiten aus. Es entsteht keine Lösung, sondern ein weiterhin bestehendes Problem ohne Lösung. Man entgeht dadurch bewusst dem Angriffswille des Gegners und unterbindet gleichzeitig den eigenen. Durch das daran denken, an die Gleichgestelltheit, gibt man sich dem Gegner preis. Man erkennt, bevor man sich in dem Zustand des Gleichgewichtes befindet, das einem die Kraft und der Geist in diese Lage drängt. Auch wenn man noch so flüchtig daran denkt, ein darin Haften zeigt sofort den Stillstand an, was bedeutet angreifbar zu sein. Was man mit bewusster Absicht tut, schränkt einen im Handeln ein, man folgt nur einem einstudierten Schema. Wenn man nun an nichts denkt, und nichts tut, sich mit seiner Bewegung dem eigenen Wesen überlässt, dann entsteht keine greifbare Form mehr. Nur wo keine Form ist, kann keine greifbar werden, wo kein Ich ist, existiert auch kein Feind. Wo eine Gegenform entsteht, ergibt sich keine Notwendigkeit eines Kampfes mehr. Dieser ist dann schon entschieden. 

ri / Meisterschaft auf hohem Nivau, Trennung vom System 

4Nun kommt man zum Entschluss, alles sei umsonst geübt worden. Die technische Meisterlichkeit, verbunden mit dem Wissen über Techniken wie „in einem Atemzug siegen“, „mit zwei Techniken siegen“, „verstärkte Konzentration“, „die Arten die Initiative zu ergreifen“ sind höchst effektive Künste, welche es erst einmal zu beherrschen gilt. Kampfkünstler gebrauchen gern die Begriffe „Go no sen“, „Ken no sen“ oder „Tai no sen“. Eingeweihten, werden sie viele Jahre Training bescheren, sie zu beherrschen, gilt mit als die höchste Kunst im Kampf. Durch sie gibt es viele meisterliche Kämpfer, welche scheinbar nicht mehr zu besiegen sind. Technik und „Ki“ oder „Chi“ entfalteten ihre Kraft aber nur für die jeweilige Person selbst. Der Weiterstrebende, setzt sich hier damit auseinander, dass kein >Ich-Bewusstsein< mehr im Spiel ist. Wenn man auch nur flüchtig an all das denkt was man die Jahre einstudiert und gefestigt hat, so ist es nur etwas Angeeignetes, künstlich geschaffenes. Es kommt nicht aus dem eigenem Wesen heraus. Wenn man es schafft, sich von seinem >Ich-Bewusstsein< zu lösen, es nicht zu gebrauchen, handelt man ohne zu handeln, ohne technische Fähigkeiten ohne extra herbeigeführte Zustände ohne Form. Wer in diesem Zustand frei ist, kann allem in der rechten Weise begegnen. Wo ein Angriff erfolgt, existiert kein Angriff mehr, es ist kein Ziel mehr vorhanden was erreicht werden kann oder muss. Wer ohne Absicht sich äußerlich wie innerlich bewegt, bewegt sich aus seinem inneren Wesen heraus. Seine Energie, sein „Ki“ und seine physische Kraft stehen im Gleichklang zueinander, es gibt weder ein bereit sein, ein handeln, noch ein fertig sein. Sobald man jede Absicht fallengelassen hat, geschieht alles aus dem Wesen heraus von allein. Der Sinn der Kampfkunst liegt nun nicht darin, einen Gegner zu besiegen. Ein Übender sollte während aller technischen Übung auch immerzu die geistige Übung pflegen, um das eigene Wesen erkennen zu lernen . Das Wesen besteht dann nur noch grob gesagt, aus dem Wissen von Leben und Tod. Etwas anderes gibt es nicht mehr. Nur wer frei vom Denken in Formen oder Strukturen (oder auch den Tod ) ist, kann sich von allem trennen und sein Wesen frei handeln lassen. Es bewegt sich von sich heraus und lässt dem >Ich< keinen Stillstand. Dann kann ihm auch nichts widerstehen. Sowie ein Funke Angst oder Gedanken hereinfließen, wird das Ganze wieder in Formen gefangen und fixiert. Man ist wieder am Anfang all seiner Bemühungen angelangt. Dies Wechselspiel geschieht innerhalb kurzer Zeit, das Beherrschen beider Zustände ist somit zum Traingsziel geworden. Im Wechsel ständig behaftet, kann man keinem Gegner in Absichtslosigkeit entgegentreten, ohne dabei nicht an >Sieg oder Niederlage< zu denken. Ein eventueller Sieg in diesem Zustand, ist ein Sieg rein technischer Natur und keiner im Sinn der eigentlichen Kunst. Frei von Absicht zu sein, bedeutet Leer zu sein. In dieser Leere steckt wiederum eine Fülle von >Wesen< welche die Leere füllt, aber sie weder beengt noch bestimmt. Wird das Wesen nur in geringsten Teil gestört, ist es nicht mehr frei und ohne Gleichgewicht. Die Kraft fließt dann nur dorthin, wo sie hinkommt, dort wo sie nicht hinkommt, fehlt sie, unweigerlich entsteht ein Ungleichgewicht. Der Kampf ist somit entschieden und vorbei. Ohne Denken, Tun, Stillstand oder Absicht ist Nichts da, weder das eigene >Ich< noch das eigene "Bewusstwerden", es unterliegt alles einem stetigen Bewegen und Wandeln, ohne an etwas zu haften. Wenn weder ein >Ich< noch ein >Gegen-Ich< da ist, wird die Form eines Gegners ausgelöscht, es gibt trotz Kampf keinen Kampf. Sobald die Dinge wieder eine Form wahren, setzen sie immer eine Gegenform. Es gibt wieder Yin und Yang, Gut und Böse mit all den Varianten und Gegensätzen. Alle Gegensätze, die wir dann wieder vor uns haben, Gewinn und Niederlage, Freud und Leid entstehen in einem selbst. Somit ist die Erkenntnis vom eigenem Wesen für „Do“ von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung.

Mu / Die Leere

Nach dieser Stufe gibt es eine weitere. Es tun sich Welten auf was noch zu lernen ist. Sie zu erklären, ist mit Worten kaum möglich. Nur durch direkten Kontakt mit einem Meister ist es möglich, so weit in die Sache einzudringen um zu verstehen was die Kunst in der Kunst bedeutet. Die nächsten Jahre werden weiter entscheiden, wie weit die Erkenntnis über das Zusammenspiel von Allem aus dem Nebel hervortritt, um ins rechte Verstehen gerückt zu werden.

Die Vergangenheit ist schon vorüber,

die Zukunft hat noch nicht begonnen,

in der Gegenwart ist kein Verweilen,

Alles wandelt sich ständig.

Im Karate kein Zuvorkommen, kein erster Angriff

Te = Hand
Do = Weg
Der Weg ist ein Kreis