Als Verpächter einer Gastronomieimmobilie stehen Sie vor der wichtigen Aufgabe, den richtigen Pächter zu finden. Dieser umfassende Leitfaden begleitet Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess der Pächtersuche, von der ersten Vorbereitung bis zum fertigen Pachtvertrag. Mein Ziel ist es, Ihnen praktische Ratschläge an die Hand zu geben, damit Sie einen solventen und konzeptionell passenden Nachfolger finden und teure Fehler vermeiden.
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Den idealen Pächter finden: So sichern Sie den Erfolg Ihrer Gastronomie
- Fundament legen: Objektanalyse und Pachtkalkulation
- Qualifizierte Interessenten ansprechen: Exposé und Kanäle
- Den idealen Kandidaten identifizieren: Prüfung und Gespräch
- Rechtssicheren Pachtvertrag gestalten: Inhalte und Prüfung
Warum die strategische Pächtersuche entscheidend für Ihren Erfolg ist
Der Gastronomiemarkt in Deutschland ist bekanntermaßen dynamisch, aber auch voller Herausforderungen. Steigende Betriebs-, Energie- und Personalkosten erhöhen den Druck auf die Pächter und erfordern von ihnen nicht nur fachliches Können, sondern auch eine solide finanzielle Basis und ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept. Neue Trends wie die Digitalisierung, Online-Reservierungssysteme und die Spezialisierung auf Nischen wie vegane Küche oder Erlebnisgastronomie prägen das Bild. In diesem Umfeld ist ein strategisch ausgewählter Pächter weit mehr als nur ein Mieter; er ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, der den Wert und die Attraktivität Ihrer Immobilie langfristig sichert.
In meiner Erfahrung sehe ich immer wieder, wie Verpächter unnötige Risiken eingehen, weil sie die Pächtersuche unterschätzen. Die häufigsten Fehler, die sich als kostspielig erweisen können, sind:
- Mangelnde Prüfung der Bonität: Ein Pächter ohne solide finanzielle Grundlage ist ein hohes Risiko für Zahlungsausfälle.
- Unklares Konzept oder mangelnde Passung: Ein Konzept, das nicht zum Standort oder zur Immobilie passt, ist zum Scheitern verurteilt und führt zu schnellen Pächterwechseln.
- Lückenhafter oder nicht anwaltlich geprüfter Pachtvertrag: Ungenaue Formulierungen oder fehlende Regelungen können zu langwierigen und teuren Rechtsstreitigkeiten führen.
Dieser Leitfaden ist darauf ausgelegt, Ihnen genau diese Fallstricke aufzuzeigen und Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sie zu umgehen.
Schritt 1: So legen Sie das Fundament für eine erfolgreiche Verpachtung
Bevor Sie überhaupt mit der Pächtersuche beginnen, ist eine gründliche Vorbereitung unerlässlich. Ich kann es nicht oft genug betonen: Ein solides Fundament spart später viel Ärger und Geld. Das bedeutet zunächst eine ehrliche Objekt- und Standortanalyse. Fragen Sie sich: Was sind die Stärken und Schwächen meiner Immobilie? Welche Zielgruppe spreche ich am Standort an? Passt ein Fine-Dining-Restaurant oder eher ein gemütliches Café? Aus dieser Analyse leitet sich das passende Gastro-Konzept ab, das Sie potenziellen Pächtern präsentieren können. Parallel dazu müssen Sie eine faire und marktgerechte Pacht kalkulieren. Diese sollte sich nicht nur an Ihren Kosten, sondern vor allem am Potenzial des Standorts und der Ausstattung des Objekts orientieren. Eine zu hohe Pacht schreckt qualifizierte Interessenten ab, eine zu niedrige verschenkt Potenzial.
Diese Dokumente müssen Sie für Interessenten vorbereiten
Eine professionelle Pächtersuche erfordert Transparenz. Halten Sie die folgenden Unterlagen bereit, um ernsthafte Interessenten schnell und umfassend informieren zu können:
- Aktueller Grundriss der Gastronomiefläche
- Energieausweis des Gebäudes
- Detaillierte Inventarliste (falls Inventar mitverpachtet wird)
- Kopien der letzten Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen (falls der Betrieb bereits lief und Einblicke gewährt werden sollen)
- Bestehende Verträge, die übernommen werden müssen oder können (z.B. Brauereivertrag, Lieferantenverträge, Wartungsverträge)
- Betriebskostenübersicht der letzten Jahre
- Gewerbemietvertrag oder Pachtvertrag der Vornutzung (anonymisiert)
- Fotos des Objekts (Innen und Außen)

Schritt 2: Wie Sie qualifizierte Interessenten gezielt ansprechen
Ein ansprechendes und informatives Exposé ist Ihr Aushängeschild. Es sollte nicht nur die Hard Facts wie Größe, Lage und Pachtpreis enthalten, sondern auch die Potenziale und Besonderheiten Ihrer Gastronomieimmobilie hervorheben. Denken Sie an hochwertige Fotos, eine Beschreibung der Umgebung und des möglichen Zielpublikums sowie eine klare Darstellung des Zustands und der Ausstattung. Sobald Ihr Exposé steht, geht es darum, die richtigen Kanäle zu nutzen, um qualifizierte Interessenten zu erreichen. Hier sind die effektivsten Wege, die ich Ihnen empfehlen kann:
- Spezialisierte Online-Portale für Gastronomieimmobilien: Plattformen wie AHGZ oder DasGastroPortal sind erste Anlaufstellen für Branchenprofis.
- Branchen-Netzwerke und Fachverbände: Hier erreichen Sie direkt Gastronomen, die aktiv nach neuen Objekten suchen.
- Brauereien und Getränkelieferanten: Viele Brauereien haben ein großes Netzwerk an Pächtern und suchen aktiv nach Objekten für ihre Kunden.
- Spezialisierte Gastronomie-Makler: Sie verfügen über ein etabliertes Netzwerk und Expertise in der Branche.
- Soziale Medien und lokale Anzeigen: Für kleinere Objekte oder spezifische Konzepte können auch diese Kanäle hilfreich sein.
Brauerei, Makler oder Eigenregie? Der richtige Weg für Sie
Die Wahl des richtigen Weges zur Pächtersuche hängt von Ihren Ressourcen, Ihrer Erfahrung und der Komplexität des Objekts ab. Hier ist ein Vergleich, der Ihnen bei der Entscheidung helfen soll:
| Weg | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Eigenregie | Volle Kostenkontrolle, direkter Kontakt zu Interessenten, maximale Flexibilität bei der Auswahl. | Hoher Zeitaufwand für Vermarktung, Prüfung und Besichtigungen; fehlendes Branchennetzwerk; rechtliche Risiken bei mangelnder Erfahrung. |
| Über eine Brauerei | Zugang zu einem großen Pool an potenziellen Pächtern; Brauereien haben oft ein Interesse an langfristigen Partnerschaften; Unterstützung bei Finanzierungsfragen. | Mögliche Bindung an Brauereiverträge (Getränkebezug); Pächterauswahl kann durch Brauereiinteressen beeinflusst werden; weniger Flexibilität bei der Konzeptgestaltung. |
| Mit einem spezialisierten Makler | Zugang zu einem qualifizierten Netzwerk; professionelle Exposé-Erstellung und Vermarktung; Übernahme der Interessentenprüfung und Vorauswahl; Expertise bei Verhandlungen und Vertragsgestaltung. | Maklerprovision (Erfolgsabhängig); weniger direkter Einfluss auf den Auswahlprozess; Vertrauen in die Expertise des Maklers ist entscheidend. |
Schritt 3: So identifizieren Sie den idealen Kandidaten sicher
Die Auswahl des Pächters ist der wohl kritischste Schritt. Hier geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Vision und die Persönlichkeit. Ich empfehle, die Entscheidung auf einer Kombination aus "harten" Fakten und "weichen" Faktoren zu basieren:
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Harte Fakten und anzufordernde Unterlagen:
- Bonität: Fordern Sie eine aktuelle Schufa-Auskunft, Bankauskünfte und gegebenenfalls eine Bestätigung der Eigenkapitalausstattung an. Dies ist absolut entscheidend für die finanzielle Sicherheit.
- Solider Businessplan: Ein detaillierter Plan mit Umsatzprognosen, Kostenkalkulationen und Marketingstrategien zeigt, dass der Pächter sich ernsthaft mit dem Vorhaben auseinandergesetzt hat.
- Nachweisbare Branchenerfahrung: Lebenslauf und Referenzen, die die gastronomische Expertise belegen.
- Notwendige Lizenzen und Konzessionen: Prüfen Sie, ob der Pächter die erforderliche Gaststättenkonzession und andere Genehmigungen besitzt oder erwerben kann.
- Finanzierungsnachweis: Wie wird das Startkapital und die Anfangsphase finanziert?
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Weiche Faktoren:
- Passendes Gastronomiekonzept: Passt die Idee zum Standort, zur Zielgruppe und zum Charakter Ihrer Immobilie? Ist es innovativ und zukunftsfähig?
- Persönlichkeit und Leidenschaft: Ein Pächter, der mit Herzblut dabei ist und eine gute Chemie mit Ihnen als Verpächter hat, ist Gold wert für eine langfristige und harmonische Zusammenarbeit.
- Zuverlässigkeit und Kommunikationsfähigkeit: Achten Sie auf eine offene und ehrliche Kommunikation im gesamten Bewerbungsprozess.
Diese Fragen sollten Sie im persönlichen Gespräch stellen
Das persönliche Gespräch ist Ihre Chance, über die reinen Fakten hinauszugehen und ein Gefühl für den Menschen hinter dem Businessplan zu bekommen. Ich habe hier einige Schlüsselfragen zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen:
- Können Sie Ihr Gastronomiekonzept in drei Sätzen zusammenfassen und was macht es einzigartig?
- Welche Erfahrungen bringen Sie mit, die Sie besonders für dieses Objekt qualifizieren?
- Wie stellen Sie sich die Finanzierung der Startphase und des laufenden Betriebs vor, und welche Sicherheiten können Sie bieten?
- Wie gehen Sie mit unerwarteten Herausforderungen um, zum Beispiel bei Personalengpässen oder unvorhergesehenen Reparaturen?
- Welche Marketingstrategien planen Sie, um Gäste anzuziehen und den Betrieb langfristig erfolgreich zu führen?
- Wie sehen Ihre langfristigen Ziele für diesen Standort aus und welche Vision haben Sie für die Entwicklung des Betriebs?
- Was erwarten Sie von mir als Verpächter, und wie stellen Sie sich unsere Zusammenarbeit vor?

Schritt 4: So gestalten Sie einen rechtssicheren Pachtvertrag
Der Pachtvertrag ist das Herzstück Ihrer Vereinbarung und muss sorgfältig ausgearbeitet werden, um beide Seiten abzusichern. Aus meiner Sicht sind folgende Punkte für einen Gastronomie-Pachtvertrag unerlässlich:
- Pachthöhe und -art: Klare Definition, ob es sich um eine Festpacht, Umsatzpacht oder eine Kombination handelt und wie diese berechnet wird.
- Laufzeit und Verlängerungsoptionen: Üblich sind 5- oder 10-Jahres-Verträge mit Optionen zur Verlängerung, die Sicherheit für beide Seiten bieten.
- Detaillierte Inventarliste: Eine genaue Auflistung und Bewertung des Inventars, das mitverpachtet wird, um spätere Streitigkeiten über den Zustand oder fehlende Gegenstände zu vermeiden.
- Instandhaltungspflichten: Präzise Regelung, wer für welche Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen (z. B. "Dach und Fach" vs. Schönheitsreparaturen) zuständig ist.
- Betriebspflicht: Die Verpflichtung des Pächters, den Betrieb ordnungsgemäß und durchgehend zu führen, um Leerstand zu vermeiden.
- Konkurrenzschutz: Gegebenenfalls Regelungen, die dem Pächter Schutz vor direkter Konkurrenz im selben Gebäude oder in unmittelbarer Nähe bieten.
- Kaution oder andere Sicherheiten: Die Höhe der Kaution (üblich sind 3-6 Monatskaltpachten) und die Modalitäten der Hinterlegung.
- Umgang mit Genehmigungen und Lizenzen: Klärung, wer für die Beantragung und Aufrechterhaltung der notwendigen Konzessionen verantwortlich ist.
Umsatzpacht oder Festpacht: Was passt besser zu Ihrem Objekt?
Die Wahl der Pachtart hat direkte Auswirkungen auf Ihre Einnahmen und das Risiko. Hier ein Überblick über die gängigsten Modelle:
| Pachtart | Beschreibung & Eignung für den Verpächter |
|---|---|
| Festpacht | Der Pächter zahlt eine feste, monatliche Summe, unabhängig vom Umsatz. Dies bietet Ihnen als Verpächter maximale Planungssicherheit und konstante Einnahmen. Besonders geeignet für etablierte Standorte mit kalkulierbarem Geschäft oder wenn Sie ein geringes Risiko bevorzugen. |
| Umsatzpacht | Die Pacht richtet sich nach einem vereinbarten Prozentsatz des monatlichen Netto-Umsatzes des Pächters. Dies ermöglicht Ihnen als Verpächter, direkt am Erfolg des Pächters zu partizipieren. Ideal für Objekte mit hohem Potenzial oder in aufstrebenden Lagen, bei denen Sie bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen. Oft wird eine Mindestpacht vereinbart, um ein Grundeinkommen zu sichern. |
| Mischpacht (Kombination) | Eine Kombination aus einer festen Grundpacht und einem umsatzabhängigen Anteil, der ab einem bestimmten Schwellenwert greift. Diese Variante bietet eine gute Balance zwischen Sicherheit und Potenzialbeteiligung. Sie sichert Ihnen ein Basiseinkommen und lässt Sie gleichzeitig am Wachstum des Pächters teilhaben. |
Warum die anwaltliche Prüfung unerlässlich ist
Ich kann es nicht genug betonen: Auch wenn Sie sich mit den Bestandteilen eines Pachtvertrags auskennen, ist die anwaltliche Prüfung des finalen Dokuments durch einen auf Gastronomierecht spezialisierten Anwalt absolut unerlässlich. Die rechtlichen Feinheiten und möglichen Fallstricke sind komplex, und ein Laie übersieht schnell Klauseln, die später zu erheblichen Problemen führen können. Diese Investition ist eine Versicherung für die Zukunft und schützt Sie vor teuren Auseinandersetzungen.
Ein guter Pachtvertrag schützt beide Seiten und legt den Grundstein für eine jahrelange, erfolgreiche Partnerschaft. Die Investition in eine anwaltliche Prüfung ist die beste Versicherung gegen zukünftige Konflikte.
Schritt 5: So gelingt eine reibungslose Übergabe an den Pächter
Die reibungslose Übergabe ist der letzte, aber keineswegs unwichtigste Schritt. Ein detailliertes Übergabeprotokoll ist hierbei Ihr wichtigstes Werkzeug, um Missverständnisse und spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Es dokumentiert den Zustand der Immobilie und des Inventars zum Zeitpunkt der Übergabe und dient als Referenzpunkt für die Rückgabe. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit und gehen Sie das Objekt gemeinsam mit dem neuen Pächter sorgfältig durch.
Folgende Punkte sollten im Übergabeprotokoll unbedingt dokumentiert werden:
- Detaillierte Beschreibung des Zustands der Immobilie (Wände, Böden, Decken, Fenster, Türen, Sanitäranlagen etc.), inklusive eventueller Mängel oder Schäden.
- Vollständige Inventarliste mit Zustand jedes einzelnen Gegenstands (falls Inventar mitverpachtet wird).
- Aktuelle Zählerstände für Strom, Gas, Wasser und Heizung.
- Anzahl und Art der übergebenen Schlüssel.
- Gemeinsame Ummeldung von Lizenzen, Konzessionen und bestehenden Versorgungsverträgen (Strom, Gas, Wasser, Internet) auf den neuen Pächter.
- Datum und Uhrzeit der Übergabe sowie die Unterschriften beider Parteien.
Mit einer sorgfältigen Übergabe stellen Sie sicher, dass der neue Pächter einen guten Start hat und die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt ist.
