Die Frage, welcher der höchste Berg Europas ist, scheint auf den ersten Blick einfach, birgt aber eine faszinierende geografische Debatte. Als erfahrener Alpinist, der viele Jahre in den Bergen verbracht hat, kann ich Ihnen versichern: Die Antwort ist nicht ganz so eindeutig, wie man meinen könnte. In diesem Artikel kläre ich nicht nur die geografische Kontroverse zwischen Elbrus und Mont Blanc, sondern liefere Ihnen auch praktische und detaillierte Informationen, falls Sie selbst eine Besteigung dieser beeindruckenden Gipfel in Erwägung ziehen.
Der Elbrus ist der höchste Berg Europas die Details zur geografischen Debatte
- Der höchste Berg Europas ist der Elbrus im Kaukasus mit 5.642 Metern, basierend auf der gängigsten geografischen Definition der innereurasischen Grenze.
- Der Mont Blanc in den Alpen ist mit ca. 4.806 Metern der höchste Gipfel der Europäischen Union und Westeuropas.
- Die Besteigung des Elbrus ist technisch einfacher, aber aufgrund der extremen Höhe und des Wetters eine große körperliche Herausforderung.
- Der Mont Blanc ist technisch anspruchsvoller und erfordert Erfahrung im Gletschergehen sowie im Umgang mit Eispickel und Steigeisen.

Warum es zwei Antworten auf die Frage nach Europas höchstem Berg gibt
Die umstrittene Grenze zwischen Europa und Asien
Die Bestimmung des höchsten Berges Europas hängt entscheidend davon ab, wo man die geografische Grenze zwischen Europa und Asien zieht. Diese innereurasische Grenze ist historisch und politisch umstritten und führt dazu, dass es zwei plausible Antworten auf unsere Kernfrage gibt. Grundsätzlich gibt es zwei Haupttheorien: Die eine sieht den Hauptkamm des Kaukasus als natürliche Grenze, die andere definiert die Kuma-Manytsch-Niederung, die nördlich des Kaukasus verläuft, als Trennlinie. Diese unterschiedlichen Definitionen sind der Kern der Debatte.
Fall 1: Der Elbrus (5.642 m) als unangefochtener Riese im Kaukasus
Wenn wir uns der gängigsten geografischen Definition anschließen, die den Hauptkamm des Kaukasus als Grenze zwischen den Kontinenten betrachtet, dann ist der Elbrus mit seinen 5.642 Metern der unangefochtene höchste Berg Europas. Er liegt im russischen Teil des Kaukasusgebirges und ist ein erloschener Vulkan, der sich majestätisch mit zwei markanten Gipfeln erhebt der Westgipfel ist dabei der höhere der beiden.
Fall 2: Der Mont Blanc (ca. 4.806 m) als König der Alpen und der EU
Sollte man die Grenze nördlich des Kaukasus, entlang der Kuma-Manytsch-Niederung, ziehen, dann würde der Elbrus geografisch zu Asien gehören. In diesem Szenario rückt der Mont Blanc in den Fokus. Mit einer Höhe von etwa 4.806 Metern ist er der unangefochtene höchste Gipfel der Alpen und, was besonders wichtig ist, der Europäischen Union. Er thront an der Grenze zwischen Frankreich und Italien und ist ein Symbol für das alpine Bergsteigen in Westeuropa.
Das Fazit: Welchen Berg sollten Sie als den höchsten Europas betrachten?
Nach meiner Erfahrung und dem aktuellen Stand der geografischen Forschung betrachten die meisten Geographen heute den Elbrus als den höchsten Berg Europas. Dies liegt an der weit verbreiteten Akzeptanz des Kaukasus-Hauptkamms als Kontinentalgrenze. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass der Mont Blanc zweifellos der höchste Gipfel der Europäischen Union bleibt. Für uns Bergsteiger sind aber beide Berge von immenser Bedeutung und bieten einzigartige Herausforderungen. Deshalb werde ich Ihnen nun beide Gipfel detailliert vorstellen, damit Sie sich ein umfassendes Bild machen können.

So planen Sie Ihre Expedition zum Elbrus
Lage und Anreise zum Dach Europas
Der Elbrus liegt im südlichen Russland, genauer gesagt in der autonomen Republik Kabardino-Balkarien im Großen Kaukasus. Für internationale Bergsteiger beginnt die Reise typischerweise mit einem Flug nach Mineralnyje Wody (MRV), dem nächstgelegenen größeren Flughafen. Von dort aus erfolgt die Weiterreise meist per Transfer in die Region Terskol oder Azau, die als Basislager für Elbrus-Expeditionen dienen. Die Infrastruktur hat sich in den letzten Jahren verbessert, aber eine gute logistische Planung ist hier das A und O.
Die Herausforderung: Wie schwierig ist die Besteigung des Elbrus wirklich?
- Extreme Höhe: Die größte Herausforderung ist die Höhe von 5.642 Metern. Die dünne Luft erfordert eine sorgfältige Akklimatisierung, um Höhenkrankheit zu vermeiden.
- Unvorhersehbares Wetter: Das Wetter am Elbrus kann extrem schnell umschlagen. Stürme, Nebel und eisige Temperaturen sind auch im Sommer keine Seltenheit und können die Besteigung gefährlich machen.
- Gletscher und Spalten: Obwohl die Normalroute technisch nicht übermäßig anspruchsvoll ist, führt sie über Gletscher. Das Begehen von Spaltenzonen erfordert Vorsicht und die richtige Ausrüstung.
- Körperliche Anforderung: Die langen Aufstiege in großer Höhe sind körperlich sehr fordernd und erfordern eine ausgezeichnete Ausdauer und mentale Stärke.
Süd- oder Nordroute? Ein Vergleich der Wege zum Gipfel
Für die Besteigung des Elbrus stehen hauptsächlich zwei Routen zur Auswahl, die unterschiedliche Erlebnisse bieten:
| Südroute (Normalweg) | Nordroute | |
|---|---|---|
| Infrastruktur | Sehr gut ausgebaut mit Seilbahnen, Pistenraupen-Shuttles und Hütten bis auf über 3.800 m. | Minimalistische Infrastruktur, Basislager auf ca. 2.500 m, nur einfache Zeltlager. |
| Schwierigkeit | Technisch einfacher, aber die Höhe bleibt die Hauptgefahr. Weniger exponiert. | Technisch anspruchsvoller, längere Gletscherquerungen, wilder und abgelegener. |
| Beliebtheit | Deutlich beliebter und stärker frequentiert, oft als "Autobahn" bezeichnet. | Weniger begangen, für Bergsteiger, die Abgeschiedenheit und eine größere Herausforderung suchen. |
Was eine Elbrus-Expedition wirklich kostet
Eine geführte Elbrus-Expedition schlägt typischerweise mit Kosten zwischen 2.000 und 3.500 Euro zu Buche. Dieser Preisrahmen beinhaltet in der Regel die gesamte Organisation vor Ort, also erfahrene Bergführer, die Akklimatisierungstage, Unterkünfte in Hütten oder Zelten sowie Mahlzeiten während der Expedition. Es ist wichtig zu beachten, dass internationale Flüge zum Startpunkt der Reise, wie etwa nach Mineralnyje Wody, in diesen Kosten meist nicht enthalten sind und separat kalkuliert werden müssen.

Was Sie über die Besteigung des Mont Blanc wissen müssen
Technik, Ausdauer, Höhe: Der Mont Blanc im direkten Vergleich zum Elbrus
Obwohl der Mont Blanc niedriger ist als der Elbrus, stellt er andere, nicht zu unterschätzende Anforderungen an Bergsteiger. Hier ein direkter Vergleich der Normalrouten:
| Kriterium | Elbrus (Normalroute) | Mont Blanc (Normalroute) |
|---|---|---|
| Höhe | 5.642 m | ca. 4.806 m |
| Technische Schwierigkeit | Gering, hauptsächlich Gehen auf Schnee und Eis, aber Spaltengefahr. | Mittel bis hoch. Erfordert sicheres Gehen mit Steigeisen, Eispickel und Seil in exponiertem, felsigem und vergletschertem Gelände. |
| Körperliche Anforderung | Sehr hoch, aufgrund der extremen Höhe und der langen Aufstiege. | Hoch, schnelle Höhenzunahme und anspruchsvolle Passagen erfordern gute Kondition. |
Wie Sie sehen, ist der Mont Blanc technisch anspruchsvoller. Sie benötigen fundierte Kenntnisse im Umgang mit Steigeisen, Eispickel und Seil auf Gletschern und in Fels-Schnee-Passagen. Dies ist ein entscheidender Unterschied, den man nicht unterschätzen darf.
Von der Hütte bis zum Gipfel: Eine realistische Kostenaufstellung
Eine geführte Besteigung des Mont Blanc ist ebenfalls mit Kosten verbunden, die für ein 2-3-tägiges Programm bei etwa 1.500 bis 2.500 Euro liegen. Diese Kosten decken in der Regel die Dienste eines staatlich geprüften Bergführers sowie die Übernachtungen in den hochalpinen Hütten, die für die Akklimatisierung und den Gipfelaufstieg unerlässlich sind. Zusätzliche Kosten für Anreise, Verpflegung abseits der Hütten und persönliche Ausrüstung müssen Sie selbst tragen.
Die Goûter-Route: Der klassische Weg und seine Tücken
Die Goûter-Route ist der klassische und beliebteste Normalweg zum Gipfel des Mont Blanc. Sie beginnt meist in Les Houches und führt über die Tête Rousse Hütte zur Goûter Hütte, von wo aus der eigentliche Gipfelanstieg erfolgt. Diese Route ist bekannt für ihre Schönheit, aber auch für ihre Herausforderungen. Sie ist oft stark überlaufen, besonders in der Hochsaison. Eine der größten organisatorischen Hürden ist die Reservierung von Hüttenplätzen, insbesondere in der Goûter Hütte. Diese müssen oft Monate im Voraus gebucht werden, da die Kapazitäten begrenzt sind und die Nachfrage enorm ist. Ohne eine bestätigte Hüttenreservierung ist eine Besteigung auf diesem Weg kaum möglich.
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Ihre Checkliste für die Vorbereitung auf den Gipfel
So machen Sie Ihren Körper fit für die Höhe
Egal ob Elbrus oder Mont Blanc, eine exzellente körperliche Verfassung ist nicht verhandelbar. Ich empfehle Ihnen dringend, Ihr Training ernst zu nehmen:
- Ausdauertraining: Konzentrieren Sie sich auf Sportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder ausgedehnte Wanderungen. Ziel ist es, Ihre aerobe Kapazität zu maximieren.
- Wandern mit Gepäck: Simulieren Sie die Belastung einer Hochtour, indem Sie regelmäßig mit einem voll gepackten Rucksack (ca. 10-15 kg) in den Bergen oder auf steilen Wegen unterwegs sind.
- Krafttraining: Stärken Sie Ihre Beine und Ihren Rumpf. Kniebeugen, Ausfallschritte und Core-Übungen sind hier besonders effektiv.
- Akklimatisierungstouren: Planen Sie, wenn möglich, Vorbereitungstouren in den Alpen oder anderen Gebirgen, um Ihren Körper an höhere Lagen zu gewöhnen. Das hilft ungemein, die Symptome der Höhenkrankheit zu minimieren.
Die ultimative Packliste: Diese Ausrüstung ist unverzichtbar
Die richtige Ausrüstung kann den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg, Sicherheit und Gefahr ausmachen. Sparen Sie hier niemals am falschen Ende:
- Steigeisenfeste Bergschuhe: Unbedingt erforderlich für den Einsatz von Steigeisen.
- Steigeisen: Passend zu Ihren Schuhen und scharf.
- Eispickel: Für die Fortbewegung im Eis und als Selbstsicherung.
- Klettergurt: Für die Seilsicherung und Spaltenrettung.
- Seil: Für die Seilschaft und Sicherung (wird oft vom Bergführer gestellt, aber prüfen Sie dies).
- Helm: Schutz vor Steinschlag und bei Stürzen.
- Wetterfeste Kleidung: Mehrere Schichten (Zwiebelprinzip) aus atmungsaktiven und isolierenden Materialien, inklusive Daunenjacke für extreme Kälte.
- Gletscherbrille und Sonnencreme: Schutz vor starker UV-Strahlung in der Höhe.
- Stirnlampe: Für frühe Starts im Dunkeln.
Die Wahl des richtigen Bergführers: Worauf Sie unbedingt achten müssen
Für die meisten Aspiranten ist ein zertifizierter Bergführer unerlässlich. Er sorgt für Ihre Sicherheit, navigiert Sie durch schwieriges Gelände und trifft wichtige Entscheidungen. Achten Sie bei der Auswahl auf folgende Punkte:
- Staatliche Zertifizierung: Suchen Sie nach Führern mit einer internationalen Zertifizierung wie IVBV/UIAGM (Internationaler Verband der Bergführerverbände). Dies garantiert eine fundierte Ausbildung und hohe Standards.
- Erfahrung am Zielberg: Der Führer sollte nachweislich viel Erfahrung am Elbrus oder Mont Blanc haben und mit den spezifischen Bedingungen und Routen vertraut sein.
- Gruppengröße: Eine kleine Gruppengröße (oft 1:2 oder 1:3) ermöglicht eine intensivere Betreuung und höhere Sicherheit.
- Referenzen und Bewertungen: Lesen Sie Erfahrungsberichte und Bewertungen anderer Kunden, um sich ein Bild von der Arbeitsweise und Zuverlässigkeit des Führers oder der Agentur zu machen.
Die häufigsten Fehler bei der Planung und wie Sie sie vermeiden
Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass bestimmte Fehler immer wieder gemacht werden. Vermeiden Sie diese, um Ihre Erfolgschancen zu maximieren:
- Unterschätzung der körperlichen Anforderungen: Viele unterschätzen die Belastung durch Höhe und lange Aufstiege. Beginnen Sie frühzeitig mit einem gezielten Training.
- Mangelnde technische Vorbereitung: Besonders für den Mont Blanc ist es entscheidend, den Umgang mit Steigeisen und Eispickel zu beherrschen. Üben Sie dies vorab in einem Kurs oder mit einem erfahrenen Bergführer.
- Zu späte Buchung von Hütten (Mont Blanc): Die Goûter-Hütte ist oft Monate im Voraus ausgebucht. Planen Sie frühzeitig und reservieren Sie Ihre Plätze.
- Ignorieren der Wettervorhersage: Das Wetter in den Bergen ist unberechenbar. Verfolgen Sie die Vorhersagen genau und seien Sie bereit, Pläne anzupassen oder umzukehren, wenn die Bedingungen zu gefährlich sind.
- Mangelnde Akklimatisierung: Versuchen Sie nicht, die Akklimatisierung zu beschleunigen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um sich an die Höhe anzupassen, auch wenn es verlockend ist, schnell zum Gipfel zu wollen.
